Und wenn wir schon beim Tanzen sind. Orthologie führt zur Erkenntnis, dass eine allgemeine, alle ihre Auswirkungen koordinierende, einheitlich wirkende geistige Bewegungskraft die Planeten in ihren Bahnen hält, die Wachstumsentfaltung der Blumen und Bäume bewirkt, den Blutkreislauf und die Atembewegung unterhält, die Tiere klettern, springen, schleichen und schwimmen macht, Mädchen auf ihren Inline Skates behütet und tanzende Paare koordiniert.

In zwei Formen einer kosmisch neuartigen, dem geistigen Individuum anheim gegebenen Ursprünglichkeit verpuppt sich jene gottursprüngliche Bewegungskraft: Im gebärdenhaften Denkverlauf und in der durchseelten Bewegung, diesen beiden reinsten Offenbarungen freier Tathandlung. In ihnen schlägt der magische Idealismus seine Brücke ins Geisterland.

Alles übrige Geschehen erfolgt für das Menschengeschlecht instinktiv. Wie das meiste des Weltgeschehens, und ist somit nicht wertend gemeint. Wer die letzten Sätze beim ersten Mal nicht verstanden hat, könnte sie nochmals lesen, etwas langsamer.

In einem Berliner Vortrag erwähnte Rudolf Steiner am 20. Januar 1914 jene magischen Bewegungsursprünge mit folgenden Worten:

«Innerhalb des Reiches der Geister der Form, das um uns herum ist, herrschen die Formen; und weil die Formen herrschen, sind in diesem Reiche einzelne, streng in sich abgeschlossene Einzeldinge. Daraus ersehen Sie, dass die Philosophen des Nominalismus, die ich meine, niemals den Entschluss gefasst haben, aus dem Reiche der Formen herauszugehen, und daher in den allgemeinen Gedanken nichts anderes haben können als Worte, richtig blosse Worte. Würden sie herausgehen aus dem Reiche der speziellen Dinge, das heisst der Formen, so würden sie in ein Vorstellen hineinkommen, das in fortwährender Bewegung ist; das heisst, sie würden in ihrem Denken eine Vergegenwärtigung des Reiches der Geister der Bewegung haben, der nächsthöheren Hierarchie.»

Einige Erläuterungen hierzu finden sich in meiner 1989 im Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart, erschienenen Schrift Bedingungen eurythmischer Kultur - bewegtes Denken und beseelte Gebärde.

Der Film Stella da Falla aus dem Jahre 1971 endete, was die Moral von der Geschicht betrifft, von wegen dem kindlichen Alter des Regisseurs ergebnislos. Ein langer Schlusstanz vor allerlei kosmischen Hinweistafeln kann darüber hinwegtrösten.

Im Dezember 2013 überraschte ich die Teilnehmer der Berliner Orthologie-Seminare mit dem TanzVideo When I am sixtyfour, das ich im Keller des Theaterhaus Mitte, einem Ort langzeitiger Orthologie-Studien, hergestellt hatte. Die Untertitel rollen (neudeutsch mit der Vorsilbe sc-) während der Tänze in Englisch unten durch. Hier ihre deutsche Übersetzung:

1. Bewegungen, die du ausführst, indem du handelst, tanzst, wenn du denkst, Begriffe auf Sinneseindrücke beziehst oder Ideen miteinander verwebst, - alle entstammen sie deinem höheren Selbst, verborgen in der Tiefe deines Unbewussten. - 2. So wie dein Tanz zur Ruhe kommt, im entscheidenden Moment in eine Gebärde einläuft oder in einer selbstreflektiven Geste einfriert, so formt sich deine Denkbewegung in alle den Wahrnehmungen und Erinnerungen, die deinen Verstand in Zukunft ausstaffieren werden. - 3. Dränge die Antriebe zurück, welche dich zum Reden bewegen und richte deine Aufmerksamkeit besser auf die Erfahrung der Freiheit, wenn du denkst. Diszipliniere deine Denkbewegung, sodass sie mit der Geisteskraft zusammenfällt, die dich mit deinem wahren Selbst bekannt machen will. - 4. Beobachte die Gesten und den Fluss des Denkens. Steigere die intellektuellen Inhalte zu aussersinnlichen Imaginationen und erwache für die innere Willensnatur, die als goldener Faden dein Denken inspiriert. - 5. In dieser Art vorbereitet, suche die Brücke zur Seele deiner Schwestern und zum Geist deiner Brüder und stelle dich der Bildung eines gemeinsamen Bewusstseins zur Verfügung. Es entlastet unsere Handlungen von der Schmach der Egoität, denn bedenke: der kommende Buddha wird eine Gemeinschaft sein.

Und wenn Du Dich nun fragst: wie soll man sowas tanzen?, dann schau Dir das Video an. Klick